In meiner vergangenen Artikelreihe habe ich zahlreiche zentrale psychologische Kommunikationsphänomene vorgestellt – Framing, Priming, Confirmation Bias, Wiederholung, Autorität und weitere.
Was bisher fehlte, war ein Beispiel aus dem echten Leben, wie diese Mechanismen tatsächlich wirken.
In diesem Artikel zeige ich, wie all diese Mechanismen in konzertierter Anwendung ihre volle Wirkung entfalten konnten – anhand eines Begriffs, dessen Bedeutung innerhalb weniger Jahre vollständig negativ umgedeutet wurde. Sprachwissenschaftlich nennt man diese negative Umdeutung eines ursprünglich neutralen Begriffs Pejorisierung.
Es wurden dazu tatsächlich alle psychologischen Mechanismen verwendet, die ich bisher in dieser Artikelreihe vorgestellt und analysiert habe.
Es geht um den Begriff „Querdenker“.
Es gibt Begriffe, die tragen über Jahrzehnte eine klare Bedeutung. Sie stehen für eine bestimmte Haltung, eine bestimmte Qualität, manchmal für Fortschritt und Mut. Die Umdeutung des Begriffs „Querdenker“ in den letzten Jahren ist als eindrucksvolles Anschauungsbeispiel für sprachliche Umdeutung besonders geeignet, weil für den Leser ersichtlich werden wird, daß alles, was mit diesem Begriff gemacht wurde, einer psychologischen Umdeutungsstrategie nach Lehrbuch folgte.
Wer heute den Begriff Querdenker nachschlägt, findet kaum noch Spuren seiner ursprünglichen Bedeutung. In Wörterbüchern und Nachschlagewerken erscheint er fast ausschließlich in negativ besetzter Form – semantisch verknüpft mit „Abweichung“, „Störung“, „Radikalität“ oder „gesellschaftlicher Ablehnung“. Die frühere Bedeutung eines kreativen, unkonventionellen Denkens jenseits eingefahrener Muster ist nahezu vollständig verschwunden. Allein dieser Umstand zeigt, wie tief sprachliche Umdeutung bereits in unser kollektives Verständnis eingedrungen ist – so tief, dass selbst lexikalische Quellen die frühere Bedeutung kaum mehr abbilden (siehe z.B. hier: Wiktionary).
Im Folgenden schauen wir uns Schritt für Schritt an, wie aus einem ehemals positiv konnotierten Begriff sein Gegenteil wurde – und welche psychologischen Mechanismen dabei jeweils eine Rolle spielten.
Schritt 1: Die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs „Querdenker“
Bevor ein Begriff umgedeutet werden kann und eine Umdeutung Sinn macht, muss er eine klare Ausgangsbedeutung gehabt haben.
Der Begriff „Querdenker“ war über Jahrzehnte hinweg überwiegend positiv besetzt und wurde genutzt für Menschen, die gewohnte Denkweisen hinterfragen und neue Perspektiven eröffnen.
Menschen,
- die nicht in vorgegebenen Denkschablonen blieben
- die bestehende Annahmen hinterfragten
- die neue Perspektiven eröffneten
- die bereit waren, auch bei Widerstand frei zu denken
Viele wissenschaftliche Durchbrüche, technische Innovationen und gesellschaftliche Entwicklungen sind genau solchen Menschen zu verdanken. In diesem ursprünglichen Sinn war „Querdenken“ also kein Makel, sondern ein Ritterschlag.
Psychologisches Phänomen: Semantische Stabilität
Ein Begriff besitzt bereits über lange Zeit eine Bedeutung, die gesellschaftlich immer weitgehend unstrittig war.
Diese Stabilität ist wichtig – denn sie ist die Voraussetzung dafür, dass eine spätere Umdeutung überhaupt wirken kann.

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Schritt 2: Der neue Bedeutungsrahmen
Ein Wendepunkt im Bedeutungsrahmen trat im Jahr 2020 ein, als der Begriff „Querdenker“ mit einer breiten öffentlichen Debatte über Corona-Maßnahmen verknüpft wurde. Es wurde alsbald politisch und medial damit begonnen, den Begriff „Querdenker“ neu zu „framen“ – ihm einen neuen, negativen Rahmen zu geben.
Der Begriff „Querdenker“ tauchte danach kaum mehr in seiner ursprünglichen Bedeutung auf – als Beschreibung eines Denkstils. Er wurde nun konsequent verknüpft mit Berichten über Gefahr, Irrationalität und gesellschaftliche Bedrohung.
Auffällig dabei: Dieser neue Denkansatz wurde nie argumentativ untermauert und belegt. Es wurde einfach getan. Still und unmerklich wurde Schritt für Schritt der Rahmen verändert, in dem der Begriff seither eingeordnet war. Es gab immer noch den Begriff – aber er hatte nun eine komplett andere emotionale Kulisse.
Psychologisches Phänomen: Framing
Dabei ändert sich nicht der Inhalt, sondern der Deutungsrahmen. Der Kontext entscheidet, wie etwas wahrgenommen wird.
Ein einfaches Bild hilft, es noch besser zu verstehen: Stell dir vor, derselbe Mensch steht einmal auf einer Bühne mit Applaus – und einmal plötzlich in einer Polizeimeldung. Die Person ist identisch. Die Wirkung nicht.
Schritt 3: Wiederholung macht Erklärung überflüssig
Einmal etabliert, breitete sich der neue Bedeutungsrahmen weiter aus – nicht etwa durch eine wiederholte Neudefinition oder Erklärung, sondern einfach durch wiederholte, konsistente Nutzung des Begriffs in negativen Kontexten. Ein „Querdenker“ war nun „aufmüpfig“, „anstrengend“, „gefährlich“. Die alte Bedeutung des Begriffs trat weiter in den Hintergrund.
Damit die neue Bedeutung sich noch besser in die Köpfen der Menschen setzen konnte, musste das neue negative Framing des Begriffs nun einfach ständig wiederholt werden. Denn Wiederholung sorgt dafür, daß sich unser Unterbewußtsein ein Muster oder eine Bedeutung auch dauerhaft einprägt.
Der Begriff „Querdenker“ wurde somit immer häufiger in negativen Zusammenhängen platziert – mit ähnlich negativer Tonalität und entsprechend negativer Bildsprache. Die Symbiose zwischen Begriff und negativer Konnotation verfestigt sich so im Laufe der Zeit – ganz ohne Argumente. Irgendwann genügte die bloße Nennung des Begriffs, um das negative Framing des Begriffs „Querdenker“ und das damit verknüpfte emotionale Paket auf einen Schlag zu aktivieren und abzurufen.
Psychologisches Phänomen: Repetition & Compounding
Wiederholung verstärkt Wirkung. Wahrheit entsteht nicht durch Erklärung, sondern durch Häufigkeit.
Die Wiederholungstechnik stammt tatsächlich aus der Hypnose (Compounding, Direct-Drive-Technique). Wird etwas nur häufig genug wiederholt, wird es irgendwann ungeprüft als Wahrheit empfunden. Menschen glauben oft, sie hätten sich eine eigene Meinung gebildet – tatsächlich wurde ihnen ein Zusammenhang nur so oft präsentiert, daß er sich irgendwann selbstverständlich und wahr anfühlte.
Schritt 4: Emotionale Aufladung macht Prüfung überflüssig
Ab einem gewissen Punkt löst ein Begriff keinerlei gedankliche Prüfung mehr aus, sondern nur noch eine emotionale Reaktion. Schon das bloße Wort „Querdenker“ reichte aus, um bei vielen Menschen bestimmte emotionale Assoziationen hervorzurufen, bevor ein bewusster Gedanke einsetzte.
Bevor Inhalte geprüft wurden, war innerlich bereits entschieden.
Psychologisches Phänomen: Priming
Ein Reiz aktiviert unbewusst gespeicherte Assoziationen und lenkt Wahrnehmung und Emotionen, bevor überhaupt bewusstes Denken einsetzt.
Das Priming ist einer der wirksamsten Schritte im gesamten Prozess – denn hier wird tatsächlich das Denken fast komplett ‚ausgeschaltet‘ und durch Gefühle ersetzt. Unser Gehirn arbeitet gerne effizient – und es kann Emotionen schneller und energiesparender im Unterbewußtsein verarbeiten als unser Verstand kognitive Informationen mit logischem Denken verarbeiten kann.
Daher entscheidet unser Gehirn generell: Emotion vor Logik. Aus Effizienzgründen.
Schritt 5: Verknüpfung mit bestehenden Negativkategorien
Der neue Bedeutungsinhalt des Begriffs „Querdenker“ wurde nicht isoliert aufgebaut, sondern gezielt an bereits negativ bewertete Kategorien angeschlossen. Begriffe wie „extrem“, „unsolidarisch“ oder „gefährlich“ dienten dabei nicht der Beschreibung, sondern der emotionalen Einordnung.
Sobald ein Begriff wiederholt gemeinsam mit stark negativ konnotierten Etiketten genannt wird, überträgt sich deren emotionale Bewertung automatisch. Es braucht keine inhaltliche Auseinandersetzung mehr – die Bewertung erfolgt vor dem Denken.
Psychologisches Phänomen: Evaluative Conditioning (Bewertende Konditionierung)
Ein ursprünglich neutraler oder positiv besetzter Begriff wird durch wiederholte Kopplung mit negativ bewerteten Reizen emotional umgedeutet. Die Ablehnung entsteht prä-kognitiv und wirkt dauerhaft.
Ergänzend wirken mentale Anker: Die bereits negativ bewerteten Schlagworte fungieren als Referenzpunkte, an denen sich spätere Wahrnehmung orientiert. Der Begriff „Querdenker“ wird dadurch schrittweise aus seiner früheren Kategorie gelöst und einer neuen, emotional besetzten Kategorie zugeordnet.
Durch die regelmäßige gemeinsame Nennung mit Begriffen wie „Schwurbler“, „Verschwörungstheoretiker“ oder „Aluhutträger“ – allesamt bereits klar negativ verankert – wird die neue Bedeutung stabilisiert.
Die Umdeutung gilt fortan als selbstverständlich.
Schritt 6: Mehrheiten ersetzen eine weitere Prüfung
Je häufiger eine neue Bedeutung öffentlich geteilt wurde, desto stärker wirkt ein weiterer Mechanismus: Orientierung an der Mehrheit.
Wenn eine große Zahl Menschen eine bestimmte Sicht teilt, beginnt das eigene Urteil zu wanken – selbst dann, wenn man innerlich das Gegenteil spürt. Eine Mehrheitsmeinung überstimmt ab einem bestimmten Punkt die eigene Überzeugung. Das wurde z.B. durch die Experimente von Solomon Asch eindrücklich nachgewiesen.
Ab einem gewissen Punkt kann die Sicht einer Mehrheit in der Öffentlichkeit dominieren – unabhängig davon, wie ausgeglichen oder differenziert die Informationslage tatsächlich ist. Für das Unterbewußtsein vieler Menschen hatte es den gewünschten Effekt – das Asch-Prinzip hat gewirkt.
Psychologisches Phänomen: Social Proof
Menschen orientieren sich am Verhalten und an den Meinungen anderer. Die Meinung der Mehrheit dominiert ab einem bestimmten Punkt eigene Überzeugungen.
Uninformierte und unsichere Menschen tendieren dabei eher dazu, sich Mehrheitsmeinungen anzuschließen, weil sie damit mehr Sicherheit und innere Ordnung empfinden. Doch es wichtig zu wissen, daß am Ende tatsächlich niemand wirklich vor diesem Verhalten geschützt ist. Durch Mehrheiten entsteht ein subtiler, aber sehr wirksamer Druck:
„Nicht mitgehen“ fühlt sich immer riskanter an als zustimmen – und wir geben diesem Druck nur allzu leicht nach. Dieses Verhalten ist neurologisch in uns so angelegt.
Schritt 7: Der Kipppunkt
Ab jetzt wird es psychologisch besonders interessant – und auch gefährlich.
Wir Menschen prüfen Informationen normalerweise zuerst danach, ob sie zum eigenen Weltbild passen. Der innere Spannungszustand, wenn Wissen, Einstellungen oder Handlungen für uns nicht miteinander vereinbar sind, nennt man kognitive Dissonanz – und wir schützen uns normalerweise vor dieser Unvereinbarkeit, um unsere innere Stabilität zu erhalten.
Im Klartext bedeutet das: Sobald unser Weltbild in Frage gestellt wird, wehren wir alle damit verbundenen Trigger reflexartig ab. Aus Selbstschutz.
Und jetzt wird es heikel: Sobald unser Weltbild durch eine Umdeutung von früheren inneren Wahrheiten auf die oben beschriebene Weise verschoben wird, kippt unsere kognitive Dissonanz ins Gegenteil. Dieser tief in uns angelegte Mechanismus schützt plötzlich nicht mehr unsere ursprüngliche Überzeugung, sondern das neu übernommene Narrativ.
Psychologisches Phänomen: Motivated Reasoning (interessengeleitete Bewertung)
Informationen, die unserem Weltbild widersprechen (kognitive Dissonanz), werden instinktiv von uns abgewehrt, um innere Spannung zu vermeiden. Wurde durch Umdeutung unser Weltbild verändert, schützen wir nicht mehr unser altes Weltbild, sondern das neue Narrativ.
Ab diesem Punkt prüfen wir selbst argumentative Kritik nicht mehr – wir wehren sie instinktiv ab. Nicht bewußt, sondern weil unser kognitives System auf innere Konsistenz ausgerichtet ist. Innere Spannung wird nicht als intellektuelles Problem erlebt, sondern als mentale Belastung. In der Folge verändert sich unser Verarbeitungsmodus: Argumente werden nicht mehr als Information geprüft, sondern als emotionale Bedrohung wahrgenommen. Und emotionale Bedrohungen werden nicht analysiert, sondern abgewehrt.
Der mehrstufige Prozess zusammengefasst: Motivated Reasoning bedeutet, daß wir Informationen zuerst darauf prüfen, ob sie unser bestehendes Weltbild stabilisieren – nicht danach, ob sie zutreffen. Bestimmte Begriffe, Positionen oder Fragen lösen reflexartige Schutzreaktionen aus, um kognitive Dissonanz zu vermeiden. Nach einer Umdeutung kippt unsere Bewertung ins Gegenteil: Nun wird Kritik am neuen Narrativ abgeblockt, Gegenargumente ausgeblendet, Fakten verlieren ihre Überzeugungskraft. Nicht, weil sie falsch wären – sondern weil sie ab jetzt unsere neue innere Ordnung gefährden. Wir verteidigen nun ein neues Weltbild.
Schritt 8: Neue Identität wird verteidigt
So existiert am Ende nicht nur eine neue Meinung – sondern eine neue Identifikation. Wenn ein Begriff so stark emotional und sozial aufgeladen ist, dass seine Ablehnung (oder auch Verteidigung) Teil der eigenen Identität wird, fühlt sich ein Angriff auf den Begriff wie ein Angriff auf die eigene Person oder Zugehörigkeit an.
Psychologisches Phänomen: Identity-Protective Cognition (identitätsschützende Denk- und Bewertungsprozesse)
Informationen werden nur noch danach bewertet, ob sie die eigene Identität schützen oder bedrohen. Bei Wahrnehmung von Bedrohung wird ein innerer Schutzwall aktiviert und jegliche Diskussion oder Auseinandersetzung umgangen.
Damit schließt sich der Kreis: Ein ursprünglich neutraler oder positiver Begriff ist vollständig umgedeutet – und seine neue Bedeutung wird nun sogar aktiv verteidigt.
Einmal umgedeutete Begriffe werden irreversibel
Ab einem bestimmten Punkt hat ein Begriff nicht nur eine neue Bedeutung erhalten – er ist mittlerweile so stark mit dieser verknüpft, dass seine frühere Verwendung kaum noch möglich erscheint. Er ist in seiner alten Bedeutung praktisch „sprachlich verbrannt„.
Selbst Menschen, die seine ursprüngliche Bedeutung noch kennen, vermeiden ihn nun konsequent. Nicht aus Einsicht, sondern aus Instinkt. Denn das Wort ruft inzwischen automatisch Bilder und Bewertungen hervor, die mit der ursprünglichen Intention nichts mehr zu tun haben.
Der Effekt ist paradox: In unserem Beispiel stand der Begriff „Querdenker“ einst für Unabhängigkeit, Kreativität und kritisches Denken. Heute jedoch kann er kaum mehr in dieser Weise genutzt werden, um genau das zu benennen. Stattdessen weichen wir auf Synonyme aus – Vorreiter, Pioniere, Vordenker –, während das ursprüngliche Wort brachliegt.
Psychologisches Phänomen: Semantische Kontamination
Ein Begriff ist so stark emotional und sozial aufgeladen, dass seine ursprüngliche Bedeutung nicht mehr aktiv abrufbar ist.
Für den Prozess der Umdeutung ist das ein idealer Endzustand. Denn ein Begriff, der nicht mehr neutral verwendet werden kann, kann auch nicht mehr zurückerobert werden. Die Umdeutung ist abgeschlossen – ohne formelles Verbot, ohne Zensur. Allein durch Wirkung.
Die abschließende Erkenntnis – und ein möglicher Ausweg
Der Begriff Querdenker ist kein Einzelfall. Wir finden auf der anderen Seite ebensolche Begriffe wie z.B. Gutmensch – ursprünglich ein Ausdruck von Mitgefühl, Fürsorge und Verantwortungsbewusstsein. Auch er wurde im Laufe der Zeit umgedeutet, bis Hilfe, Großzügigkeit und Empathie nicht mehr als menschliche Qualitäten wahrgenommen wurden, sondern als Naivität oder moralische Schwäche.
Diese Form der sprachlichen Umdeutung kann dazu beitragen, daß Gegensätze verstärkt werden und Verständigung immer schwieriger wird.
Dialog und Argumente werden durch pauschale Etiketten ersetzt. Das macht echte Auseinandersetzung überflüssig. Wo Begriffe einmal emotional aufgeladen sind, muss nicht mehr argumentiert werden. Es entstehen Lager, die sich nicht mehr zuhören, sondern nur noch reflexartig ihre jeweilige Position verteidigen – oft mit einer Intensität, als ginge es um das eigene Überleben – weil bestimmte Begriffe und Sichtweisen auch nicht mehr kognitiv, sondern emotional unterlegt sind.
Genau hier liegt die eigentliche Gefahr. Denn durch die Umdeutung von Begriffen übernehmen Menschen nicht nur ein Narrativ – sie beginnen in vorbeschriebener Weise, sich mit ihm zu identifizieren. Kritik wird nicht mehr als Einladung zum Nachdenken erlebt, sondern als persönlicher Angriff. Das Denken verhärtet sich, Gespräche werden unmöglich.
Und doch gibt es einen Ausweg.
Er beginnt mit einem bewussteren Umgang mit Sprache – und mit mehr Achtsamkeit im Umgang miteinander.
Wer verstanden hat, dass wir alle miteinander verbunden sind und dass diese künstlich erzeugte Spaltung unserem Menschsein zutiefst widerspricht, erkennt auch die eigene Verantwortung.
Es ist unsere Aufgabe, diese Mechanismen verstehen zu lernen – ihre ersten Anzeichen sensibel wahrzunehmen und unsere sprachliche wie soziale Kompetenz dafür einzusetzen, Brücken zu bauen statt Gräben zu vertiefen. Nicht durch die Demonstration moralischer Überlegenheit, sondern durch echtes Zuhören. Nicht durch neue Etiketten, sondern durch lösungsorientierte Gespräche.
Frieden beginnt nicht im großen Diskurs – sondern im bewussten Wort, im offenen Dialog und in der Bereitschaft, den anderen wieder als Menschen zu sehen.
Wo Sprache trennt, verlieren wir Verbindung.
Stefan Randa
Wo bewusste Kommunikation beginnt, finden wir sie wieder.
— Stefan Randa
Hypnose- & Transformationscoach
P.S. Situationen und Zusammenhänge, die wir nicht sofort verarbeiten können, erzeugen in uns innere „Denk-Schleifen“ – das sind vorwiegend unbewußte analytische Denkvorgänge, die permanenten inneren Stress erzeugen und unsere Aufmerksamkeit so lange an ein Thema binden, bis wir es auflösen konnten. Kommen regelmäßig neue irritierende Informationen dazu, ohne daß vorige Themen abgeschlossen werden konnten, entwickelt sich dies zu einem Prozess, der sich weiter zunehmend verstärkt. Das ist z.B. die wissenschaftliche Erklärung dafür, warum Menschen sich bei der aktuell überfordernden medialen Nachrichtenflut mehr und mehr ihrer Energie beraubt fühlen, schlechter schlafen, Unruhe verspüren und vieles mehr. In meinem Artikel über diese sogenannten Open Loops gehe ich in der Tiefe auf das Thema ein und nenne auch Auswege.





